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Kurzgeschichte 3 Neue alte Freunde

Er trägt einen Pullover, den er offensichtlich selbst gestrickt hat. Wahrscheinlich trüge er viel lieber ein schickes Hemd, aber da heute Wollpullis mit meterlangem Rollkragen viel cooler sind, hat er sich wohl um entschlossen und sich der neuen Mode angepasst. Seine Schuhe, sofern man sie als Schuhe bezeichnen kann sehen aus, als hätten sie einen Trip zum Mount Everest und zurück durchlebt. Und seine Brille, die er vermutlich nur zur Dekoration trägt, soll seinem Aussehen die fehlende Intelligenz hinzufügen.


Wie konnte mich Mona nur für diesen Typen verlassen? Ganz offensichtlich muss sie seit neustem an einer schweren Augenkrankheit leiden. Das zumindest sagt mir mein gekränkter Stolz, der seit Beginn der Pause wie ein scheußlicher Dämon auf meiner Schulter sitzt und mir Selbstzweifel in mein rechtes Ohr flüstert. Da stehen wir nun beide – Dämon und ich - im hintersten Winkel der Pausenhalle und sehen meiner Exfreundin dabei zu, wie sie mit ihrem Troll tuschelt und kichert. „Was findet sie an jemandem“, möchte mein unsichtbarer Einflüsterer wissen, „der das genaue Gegenteil von dir ist?“ Die Erkenntnis trifft mich wie ein Schlag: Mona hat mich durch mein Gegenteil ersetzt. Die Stimme an meinem rechten Ohr raunt mir zu: „Ja ist denn etwa alles an dir so verkehrt, dass man es in eine Klammer setzen und ein Minus-Zeichen davor machen muss?“ Mathematik kann grausam sein, aus mehr als einem Grund, erkenne ich spontan.
Ich gehe eilig in Richtung Mensa, kann den Anblick von Mona mit meinem Gegenteil im Schlepptau nicht länger ertragen, überlege, meine Mathelehrerin mit meinen Zweifeln an der moralischen Richtigkeit mathematischer Aufgaben zu konfrontieren, stelle fest, dass dies eine eher philosophische Frage ist, suche nach dem Philopauker, finde ihn nicht, suche nach irgendeinem anderen vertrauten Gesicht, alle laufen an mir vorbei, sehen mich nicht. Ich bleibe stehen: Vor mir ein cooler Typ, gutaussehend, vertrautes Gesicht. „Hey“, rufe ich ihm zu, „was stimmt nicht mit mir? Wie kann mein Gegenteil besser sein als ich?“ Der Typ mir gegenüber lächelt. Seine Lippen bewegen sich nicht, aber ich verstehe trotzdem, was er sagt: „Da sitzt was auf Deiner rechten Schulter, das gehört nicht dahin. Wenn Du es genau wissen willst: Das ist alles, was nicht stimmt.“ Ohne hinzusehen, weiß ich, was er meint. „Und wie werde ich das Ding da los?“, frage ich mein Gegenüber. „Ignorieren“, sagt es, „das reicht schon. Ich weiß, wovon ich spreche.“ Netter Typ, denke ich bei mir. Kennt sich aus und kümmert sich sofort um mein Problem, als wäre es sein eigenes. „Wäre schön, wenn wir öfter mal miteinander reden könnten“, schlage ich ihm vor.
 „Unterhältst Du Dich eigentlich häufiger mit Deinem eigenen Spiegelbild?“, will ein Fünftklässler hinter mir wissen. Ich drehe mich um. „Ab sofort regelmäßig“, erwidere ich grinsend.

Szally B.

 


 

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